Mit „Der wilde, wilde Westen“ ins nächste Jahrzehnt – der TuS Südhemmern feiert sein 80-jähriges Bestehen

    1. Herren 2025
    1. Herren 2025

    Rund 500 Gäste, fünf Stunden Livemusik und eine Autogrammstunde mit „Der Alte Mann“ – so feiert man beim TuS Südhemmern ein Vereinsjubiläum. Darüber, dass der Verein auf einen „offiziellen” Teil verzichten wollte, war sich der Vorstand recht schnell einig. Sehr schnell einig war man sich auch darüber, dass der TuS unbedingt eine Party feiern möchte, und dass diese gerne ein wenig nostalgisch werden darf. Was passt dazu besser als die Südhemmer Kult-Band „Der alte Mann” und ein Revival des legendären Hoch-Druck-Cafés. Dass in das Jubiläumsjahr nun ausgerechnet auch noch die Neugründung der Handball- Herrenabteilung fällt, hätte der Verein wirklich nicht besser planen können. „Das war wirklich – wir schwören es – reiner Zufall.“ sagt Vorstandsmitglied Janine Küchhold-Haake.

    Für das Jubiläum hat der Vorstand des Vereins tief im Vereinsarchiv gegraben. „Vor allem die Jahresberichte der 2010er-Jahre überraschen aus heutiger Sicht.“ so Küchhold-Haake weiter. Denn um den TuS Südhemmern stand es zwischenzeitlich schlecht. Sinkende Mitgliederzahlen, ein ausgedünnter Vorstand, eine kriselnde Handballabteilung, die schließlich in der Auflösung des Seniorenbereichs mündete, und eher dürftig besuchte Veranstaltungen. Nicht weniger als die Vereinsauflösung stand vor nicht ganz zehn Jahren kurzzeitig zur Debatte. Von diesem Gedanken hatte man sich zwar schnell verabschiedet – schließlich braucht ein Dorf einen Sportverein – dennoch hatte der Verein zum damaligen Zeitpunkt noch einiges an Arbeit vor sich, um das Ruder wieder herumzureißen.

    Schaut man sich heute im TuS Südhemmern um, ist von Krisenstimmung von vor zehn Jahren nicht mehr ganz so viel zu vernehmen. Ein gut funktionierendes Vereinsheim, eine jüngere Generation, die sich mit dem TuS identifiziert sowie ein enormer Aufwuchs der Breitensportabteilung sind sicherlich maßgeblich für diesen Aufschwung. „Vor allem aber – und das zeigt unsere Vereinsgeschichte – ist der TuS Südhemmern, mit jedem einzelnen seiner Mitglieder, enorm einfallsreich und hat ein Talent, sich regelmäßig neu zu erfinden.“ so Küchhold-Haake. Ein Blick in die Vereinsgeschichte beweise das.

    Einer, der bereits seit den 50er Jahren das Vereinsleben miterlebt hat, ist Friedrich Meier, im Dorf von jedem nur „Schepers Fritz“ genannt. Ein Ereignis ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: „1954, Spiel um den Aufstieg in die Landesliga in Gadderbaum. Einer der Südhemmeraner, Kalle Spitzer, konnte nicht mit, der hatte seine Tauben geschickt. Eine Taube sollten wir mitnehmen, um ihm das
Halbzeitergebnis zu schicken. Die Taube kam auch schnell an, Kalle hatte ja keine
schlechten Tauben. Der Kalle konnte sich ja immer schnell aufregen. Mit der
Taube war er dann beruhigt.“

    Auch für Schlagzeilen war der TuS Südhemmern immer gut. „Drei rote Karten gegen Südhemmern”, hieß es am 18.11.1986 im Mindener Tageblatt. Was ist da passiert? Eine strittige Entscheidung des Schiedsrichters in der knappen Partie gegen Oberlübbe bringt die Gemüter der Südhemmer Spieler so in Wallung, dass am Ende beide Torhüter und ein Betreuer mit einer roten Karte vom Platz gestellt werden. Was sich genau in diesem Spitzenspiel zugetragen hat, ist bis heute umstritten, die Zeugenaussagen widersprüchlich. Man wisse heute nur, dass das Südhemmer Team unter Günter Mönkhoff am Ende knapp mit 24:22 verloren hat, und dass das Schiedsrichterteam Schemel und Risse eigentlich doch ganz gut gepfiffen hat. Alles andere wird wohl für immer ungeklärt bleiben.

    Einen der größten sportlichen Erfolge kann der TuS Südhemmern 1997 feiern: Unter Trainer Detlef „Pickel” Meyer gelingt der 1. Herrenmannschaft der langersehnte Aufstieg in die Bezirksliga. Zwar sollte der Ausflug in die Bezirksliga nur drei Spielzeiten andauern, die Aufstiegsfeier aber ist bis heute unvergessen. Bei Gerhard „Gento“ Küchhold wurde zunächst die TuS-Fahne gehisst, bevor es dann in den Südhemmer Dorfkrug zu Hans Böhning ging. Der Deckel war am Ende ordentlich, nicht zuletzt deshalb, weil sich darauf sogar ein kaputter Tisch wiederfand, der wohl während der Feier kurzfristig zur Tanzfläche umfunktioniert wurde. Bleibt zu hoffen, dass es Pickel Meyer gelingt, ein zweites Mal mit einer 1. Herrenmannschaft aufzusteigen.

    Nur fünf Jahre nach dem Abstieg konnte die 1. Herren 2004 ein Comeback in der Bezirksliga feiern. Unter Trainer Volker „Fissen” Fiestelmann gelingt dem TuS Südhemmern nach einem spannenden Aufstiegsduell gegen Gehlenbeck der Aufstieg im letzten Saisonspiel. „Quellhorst führt Südhemmern zum Aufstieg” titelte das Westfalenblatt. Bereits die starke Vorsaison unter Trainer Helmut Hoppmann macht den TuS zum Aufstiegsfavoriten. Lief die erste Saison mit einem 5. Tabellenplatz noch ganz ordentlich, war es mit der Saison 2007/2008 dann erst mal wieder vorbei mit der Bezirksliga.

    Anfang der 2010er Jahre wurde der Mangel an Nachwuchsspielern aus der JSG immer deutlicher. Vom ursprünglichen Gedanken bei der Gründung der JSG – nämlich, mit der Jugendarbeit die sportliche Zukunft zu sichern – war nicht mehr viel zu vernehmen. Klar war aber auch, dass der Verein die Eigenständigkeit so lange wie möglich erhalten wollte.

    Um die Misere, in der der TuS Anfang der 2010er Jahre steckte, einmal anhand von Zahlen deutlich zu machen: Konnte der Verein 2004 noch mit sechs Mannschaften am Spielbetrieb teilnehmen, so waren es in der Saison 2010/2011 gerade noch drei Teams. Mit der 1. Herrenmannschaft in der 1. Kreisliga, der ehemaligen 3. Herren als 2. Mannschaft in der 2. Kreisklasse sowie der Damenmannschaft in der 2. Kreisliga startete der TuS in seine letzten beiden Handballsaisons in Eigenständigkeit.

    Seit der Saison 2012/2013 lief der Handballspielbetrieb dann unter dem Dach der Spielgemeinschaft LIT Handball NSM – zunächst mit einer reinen Südhemmer Männermannschaft. Dass sich die Handballlandschaft im Mühlenkreis grundlegend verändert hat, zeigte sich spätestens Mitte der 2010er Jahre sehr deutlich. Nachdem der TuS Südhemmern bereits 2012 der Spielgemeinschaft LIT Handball NSM beigetreten war, vollzog der VfB Holzhausen 2015 denselben Schritt. Das Kürzel „NSM“ wollte man nicht um einen weiteren Buchstaben erweitern – wer weiß, wie viele Vereine in den kommenden Jahren noch dazukommen würden – und so einigte man sich auf die neue Bezeichnung „LIT Handball“. Der TuS Südhemmern stellte unter dem Dach der Spielgemeinschaft LIT bis Mitte 2015 noch eine eigene Herrenmannschaft, die ausschließlich aus Südhemmer Spielern bestand. Ein weiteres Jahr als eigenständige Mannschaft folgte jedoch nicht. Nachdem einige langjährige Südhemmer Handballer ihr Karriereende bekannt gegeben hatten, schlossen sich die verbliebenen Spieler mit einer personell ebenfalls dünn besetzten Mannschaft von LIT zusammen.

    Als LIT V sind wir zum Saisonstart 2015/2016 in der 2. Kreisliga angetreten. Leider brachte diese Fusion nur kurzfristig Abhilfe, denn weitere Spielerabgänge folgten.

    2017 folgte dann der Austritt aus der Handballspielgemeinschaft. Von den ursprünglich etwa 20 Spielerinnen und Spielern, die 2012 mit in die Spielgemeinschaft gewechselt waren, standen Anfang 2017 nur noch fünf bis sieben auf dem Platz.

    Die Entscheidung über den Austritt oder Verbleib trafen letztlich die Mitglieder. Nach einigen hitzigen Diskussionen, Verhandlungen mit der Spielgemeinschaft und einer Vertagung der Abstimmung von der Jahreshauptversammlung auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung, entschied man sich 2018 schließlich für den Austritt. Von den 66 gültigen Stimmen entfielen 48 auf einen Austritt aus der Spielgemeinschaft LIT, das entspricht etwa 72 %. Das Thema Senioren-Handball war damit für den TuS Südhemmern vorerst zu Ende. Bis 2025, denn in diesem Jahr hat der TuS Südhemmern wieder eine eigene Herrenmannschaft gemeldet und im ersten Saisonspiel gleich für Furore gesorgt. Nicht nur, dass der TuS Südhemmern mit 23 Toren Unterschied gewonnen hat (33:10 Endstand), mehr als 180 Fans sind zum ersten Saisonspiel mitgereist – zu einem Kreisklassespiel.

    Auch wenn der TuS Südhemmern über viele Jahrzehnte nicht zuerst wegen seines Breitensportangebotes wahrgenommen wurde, war der Verein auch in diesem Bereich stets sehr kreativ. Eine Tischtennisabteilung gab es bereits in den 1940er-Jahren, ebenso wie eine Schachabteilung und später eine Trimm-Trab-Truppe sowie eine Wandergruppe. Sogar eine Wassersportabteilung gab es zwischenzeitlich. Einige Turngruppen und Wirbelsäulengymnastik gab es bereits seit den 80er Jahren. Trotzdem wurde der Breitensport über viele Jahre hinweg, insbesondere in den erfolgreicheren Handballzeiten, eher stiefmütterlich behandelt. Das endete jedoch spätestens mit der Aufgabe der Handballsparte im Seniorenbereich. Für den Verein war damit klar: Man müsse im Bereich Breitensport nachlegen, wenn der TuS Südhemmern zukunftsfähig sein will. Den Anfang machte eine Umfrage beim Volkswandern. Fünf Zusatzpunkte gab es für Anregungen, welche Sportarten der TuS zukünftig anbieten sollte. Auf diese Weise bekam der Verein in kürzester Zeit mehr als 100 Vorschläge. Das Ergebnis war dann auch recht interessant, von „Eierlauf“ bis „Turmspringen von der Brücke“ war alles dabei. Nach Abzug aller Spaßvorschläge, blieben aber tatsächlich einige verwertbare Anregungen übrig.

    Die Kinder nannten am häufigsten „Fußball“ – oder ganz konkret: Fußball „Ost gegen West“. Fast ebenso häufig wurde bei den Kindern einfach „Handball“ genannt. Besonders häufig jedoch wurde Yoga vorgeschlagen. Diese Umfrage liegt inzwischen knapp zehn Jahre zurück und hat aber einiges ausgelöst. Im Jahr 2025 ist der Verein mit 13 Gruppen an den Start gegangen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Turnfrauen, die bereits in ihr 58. Jahr gehen.

    Dass uns das Engagement im Breitensport einen derart deutlichen Mitgliederzuwachs bescheren würde, hätte der Verein selbst vor ein paar Jahren nicht erwartet. Ziel des TuS Südhemmern ist daher nach wie vor, den Breitensport weiter auszubauen und möglichst vielen Vereinsmitgliedern ein passendes Sportangebot zu machen.

    Quelle: TuS Südhemmern, 16.08.2025