
Interview mit Michael Kasche, Verbandsvorsteher des WBV „Am Wiehen“ über die aktuelle Situation
Hille-Südhemmern.- Fast eine Woche ist vergangen, seit der Wasserbeschaffungsverband (WBV) „Am Wiehen“ die Trinkwasser-Ampel zunächst auf Gelb und dann auf Rot geschaltet hat. Eine Situation, die viele Menschen im Verbandsgebiet bewegt. Inzwischen deutet sich jedoch eine Entspannung der Lage an – dank der Mitwirkung der Menschen in Bad Oeynhausen, Hille, Hüllhorst und Löhne und der Vorlieferanten, die den WBV „Am Wiehen“ mit zusätzlichen Liefermengen unterstützt haben. Wir haben dazu Verbandsvorsteher Michael Kasche befragt:
Herr Kasche, viele Menschen fragen sich zurzeit vor allem eins: Wann entspannt sich die Trinkwasser-Situation wieder?
Ja, aktuell sehen wir Anzeichen für eine Entspannung der Situation. Die täglichen Abgabemengen gehen inzwischen spürbar zurück. Während an den Spitzentagen zeitweise rund 17.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag abgegeben wurden, lagen die Mengen zuletzt bereits deutlich niedriger, bei rund 15.000 Kubikmetern am Tag. Zwei Millionen Liter Wasser wurden also bereits allein von Dienstag, den 26. Mai bis Mittwoch, den 27. Mai 2026 eingespart. Dafür gilt allen Bürgerinnen und Bürgern, die unserem Wassersparaufruf gefolgt sind, unser ganz herzlicher Dank. Insbesondere danken wir aber auch unseren Partnern, die uns nach Kräften untertstützt und uns mit zusätzlichen Trinkwasserrmengen beliefert haben. Auch daduch konnten sich die Wasserstände in unseren Hochbehältern inzwischen wieder weitgehend stabilisieren. Hinzu kommen die für die kommenden Tage angekündigten kühleren Temperaturen und Niederschläge. Deshalb gehen wir derzeit davon aus, dass die Trinkwasserampel nach dem kommenden Wochenende zunächst wieder auf Gelb gestellt werden kann.
Viele Menschen dachten in den letzten Tagen sofort an „leere Brunnen“. War das tatsächlich ein Problem?
Nein, unsere Brunnenanlagen liefen und laufen mit maximaler Förderleistung. Entscheidend war vielmehr die Situation in den Hochbehältern. Diese Hochbehälter funktionieren wie große Puffer im Versorgungssystem. Sie gleichen kurzfristige Spitzenverbräuche aus. Wenn aber innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich viel Wasser gleichzeitig verbraucht wird – so wie es am Pfingstwochenende der Fall war – sinken die Wasserstände in den Behältern trotz maximaler Förderung und zusätzlicher Zukäufe weiter ab. Da so ein Defizit entsteht, das größer werden kann, wurde die Trinkwasserampel letzendlich auf Rot geschaltet.
Warum schaltet der WBV „Am Wiehen“ gefühlt immer früher die Trinkwasser-Ampel – und andere Versorger nicht?
Dahinter steht ja die Frage, ob wir z. B. genügend Brunnenanlagen haben, um die Versorgung des geamten Verbandsgebietes sicherzustellen. Aus unserer Eigenförderung des Grundwassers in Hille ist dies tatsächlich nicht möglich. Die Stadtwerke Bad Oeynhausen betreiben zwar selbst auch eine Eigenförderung, allerdings hängt diese dort indirekt auch mit der Bewirtschaftung der Edertalsperre zusammen, die den Weserwasserstand reguliert. Wieviel Wasser in der Weser verfügbar ist, beeinflusst also wiederum die Möglichkeiten der Wassergewinnung in Bad Oeynhausen, die unser Gesamtsystem unterstützt. Der WBV „Am Wiehen“ benötigt deshalb neben der Eigenförderung und der Förderung in Bad Oeynhausen Zulieferungen, um das gesamte Verbandsgebiet zu versorgen. Dafür gibt es langfristige Lieferverträge mit unseren Partnern – den Vertrag mit dem WBV Kreis Herford-West haben wir zuletzt erweitert.
Warum baut der WBV „Am Wiehen“ nicht weitere Brunnen – auch in den Verbandskommunen?
Dafür muss man sich unsere Gegebenheiten vor Ort ansehen. In Hüllhorst ist aufgrund der topologischen Lage keine Wasserförderung möglich. In Bad Oeynhausen gibt es das Heilquellenschutzgebiet, das berücksichtigt werden muss. In Löhne wird bereits seit cirka 3 Jahren ein Brunnenneubau geprüft. Solche Projekte bestehen aus vielen Genehmigungs- und Planungsschritten und benötigen Zeit. Unsere eigenen Brunnenanlagen befinden sich in Hille. Dort planen wir aktuell bereits ein weiteres Brunnenbauprojekt, das Grundstück dafür gibt es bereits.
Um die Zuliefermengen auszbauen und uns als Partner auch gegenseitig unterstützen zu können, haben wir die Verbundleitungen nach Lübbecke, Porta Westfalica und zuletzt nach Vlotho geschaffen. Zudem stärken wir die Eigenförderung in unseren Brunnen mit der neuen Rohwasser-Redundanzleitung, die zurzeit verlegt wird. Aber es kann auch nicht nur ein „immer mehr“ an Wasser geben – gerade in Zeiten den Klimawandels ist es wichtig, dass alle bewusst mit dieser wertvollen Ressource umgehen.
Was hat sich denn so verändert? Früher gab es doch auch heiße Sommertage.
Natürlich gab es auch früher heiße Tage. Aber durch den Klimawandel verändern sich die Rahmenbedingungen spürbar. Temperaturen um 30 Grad galten früher eher als Besonderheit im Juli oder August. Heute erleben wir solche Temperaturen teils schon im April oder Mai. Noch deutlicher zeigt sich die Veränderung bei den Hitzephasen. Früher hielt eine Hitzeperiode ein paar Tage an und war dann vorbei. Heute können sich diese Hitzephasen über mehrere Wochen erstrecken. Das verändert auch das Trinkwasser-Verbrauchsverhalten deutlich.
Was wäre passiert, wenn die Verbräuche noch weiter gestiegen wäre?
Dann hätte sich die Situation weiter verschärft und deutlich weitergehende Maßnahmen wären notwendig geworden, um die Trinkwasserversorgung stabil zu halten. Unsere Trinkwasserampel hat dafür eine vierte Stufe – Rot mit 3 Ausrufezeichen, dann liegt eine Gefahrenlage bei der Wasserversorgung vor. Wenn diese Stufe greift, würden die Ordnungsbehörden der Städte und Gemeinden eine
ordnungsbehördliche Verordnung erlassen. Dann darf kein Trinkwasser mehr verschwendet werden.
Was nehmen Sie persönlich aus den vergangenen Tagen mit?
Das Thema Wasser beschäftigt die Menschen stark und viele sind bereit, mitzuhelfen. Die rückläufigen Verbrauchsmengen zeigen zudem, dass viele Menschen bewusst mit Trinkwasser umgegangen sind. Dafür möchten wir uns ausdrücklich bedanken. Gleichzeitig zeigt die Situation aber auch: Ein bewusster Umgang mit Trinkwasser wird zukünftig immer wichtiger werden. Trinkwasser ist und bleibt unser Lebensmittel Nummer 1 – und eine wertvolle Ressource, mit der wir sorgsam umgehen müssen.
Insgesamt bitten wir alle, unsere Trinkwasser-Ampel weiterhin im Blick zu behalten – auf der Webseite des WBV „Am Wiehen“, der Stadtwerke Oeynhausen und Löhne, der Webseite der Gemeinde Hüllhorst und der des Wasserbeschaffungsverbandes des Amtes Hartum. Auch auf unseren Social Media-Kanälen werden wir dazu stets berichten.
Quelle: WBV Am Wiehen, 28.05.2026


