Samstag, Juli 24, 2021
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„Wer sich bewegt, kommt voran.“ – Fachtag des Kreissportbundes Minden-Lübbecke

Lübbecke/Kreis Minden-Lübbecke. In keinem anderen Lebensalter spielen Bewegung, Spiel und Sport eine derart große Rolle wie in der frühen Kindheit. Kinder nehmen ihre Lebenswelt über Bewegung auf, erfahren, erforschen und erobern sie mit Hilfe ihrer Motorik. Welch großen Einfluss und umfangreiches Potential die Förderung des Interesses an Bewegung auch auf die sprachliche Entwicklung von Kindern hat, wurde beim Fachtag des Kreisportbundes Minden-Lübbecke (KSB) am Donnerstag in der Lübbecker Stadthalle mehr als deutlich. Mit Prof. Dr. Renate Zimmer von der Universität Osnabrück konnten die Organisatoren nach mehr als einem Jahr Planung die renommierteste Expertin Deutschlands als Referentin begrüßen, die es verstand, die rund 140 Teilnehmenden aus verschiedensten pädagogischen Handlungsfeldern mit ihrem Vortrag und lebensnahen Beispielen aus der Praxis, Fotos und Videosequenzen zu begeistern und neue Impulse mit auf den Weg zu geben.

Ihrem Publikum aufzuzeigen, wie die Entwicklung von Kindern unterstützt und elementare Kompetenzen durch Bewegung gefördert werden können, lag Renate Zimmer am Herzen. „Bewegung begeistert Kinder, denn nur so können sie ihre Umwelt aktiv erfahren. Diese Begeisterung lässt sich nutzen, um ihre Entwicklung ganzheitlich in allen Bereichen zu fördern.“ „Wer sich bewegt kommt voran.“ Dass diese Aussage nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne eine hohe Bedeutung hat, erläuterte Zimmer in drei Themenblöcken. „Bewegung begeistert Kinder, verschafft ihnen durch Ausprobieren einen Zugang zur Welt, ist Antrieb für die Entwicklung und zugleich Motor des Lernens, aber auch Ausdruck kindlicher Lebensfreude und Vitalität“, so die Referentin zu Auftakt. Das gelte jedoch nicht nur für die motorische, emotionale und kognitive Entwicklung, blickte sie in einem zweiten Schritt auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und die Entwicklung des Selbstkonzepts und Selbstbewusstseins. „Doch auch der Einfluss von Bewegung auf den Bildungseffekt ist nicht zu unterschätzen“, läutete sie den dritten Teil ihres Vortrags ein, der die positiven Effekte einer bewegungsorientierten Sprachförderung anschaulich in den Mittelpunkt rückte.

Expertin Prof. Dr. Renate Zimmer hatte ihren Vortrag mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis gespickt. Foto: Kreissportbund/ Anja Schubert


Das Konzept „Bewegte Sprache“ gehe von der Körperlichkeit und den Sinneserfahrungen des Kindes aus. Mit der Nutzung von Bewegungsanlässen als Sprachanlässe knüpfe es somit daran an, die Ressourcen von Kindern zu nutzen und weniger daran, Defizite aufzugreifen und diese auszugleichen. In komprimierter Form zeigte Zimmer auf, wie im Handeln gewonnene Erfahrungen zur Erweiterung der sprachlichen Kompetenzen der Kinder führen. „Die Lust an Bewegung wird mit der Lust am sprachlichen Austausch verknüpft“, so die Referentin.

Als Beispiel nannte Zimmer beliebte Bewegungsspiele, die auch den Einsatz von Sprache verlangten. Darüber hinaus bildeten und festigten sich Wortschatz und Satzbildung durch einfache Handlungsanweisungen wie „Rollt, werft, prellt oder fangt den Ball“, dynamische Begriffe wie „langsam“ oder „schnell“, räumliche Begriffe wie „hoch“ und „tief“ sowie zunehmend komplexer werdender Spracheinsatz während der Handlungsphasen, – auch in der Kommunikation der Kinder untereinander. Bewegungslieder und –tänze seien ebenfalls geeignete Methoden einer gezielten bewegungsorientierten Sprachförderung.

„Bewegung kann auf vielfältige Weise genutzt werden, um Kinder beim Spracherwerb zu unterstützen und ihren Wortschatz und die Fähigkeit zur Satzbildung für sie selbst unbemerkt spielerisch zu erweitern, indem Satzmuster in Handlungen eingebunden werden.“ Das sei es, was sie den Teilnehmenden vor allem als Quintessenz des Fachtages mit auf den Weg geben möchte.

„Wir sind froh, dass wir trotz Coronazeiten diese Veranstaltung durchführen konnten und diese auf solch große Resonanz stieß“, strahlte Almut Mönnich, Vorstandsreferentin der Sportjugend im KSB und Fachreferentin für Kinder- und Jugendarbeit. Erzieher/innen und weitere pädagogische Fachkräfte, aber auch Schülerinnen und Schüler der Berufsfachschulen ebenso wie Übungsleiter aus Vereinen hätten sich aus dem ganzen Kreisgebiet zu diesem Fachtag angemeldet. Mehr als ein Jahr Vorlauf habe es gebraucht, um diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen. „Durch die Pandemie war lange Zeit ungewiss, ob wir diesen Termin auch wirklich halten können.“ Nicht zuletzt dank des Engagements des gesamten KSB-Teams, den FSJ-lern im Team der Stadt Lübbecke um Sigrid Rohlfing-Sundermeier sowie des ausgefeilten Hygienekonzeptes des Stadthallenteams sei die Veranstaltung auch in schwierigen Zeiten ein Erfolg geworden.

„Seit Jahren engagiert sich die Stadt Lübbecke ebenso wie die Sportjugend im Kreissportbund Minden-Lübbecke in der frühkindlichen Bewegungsförderung“, so Mönnich weiter. „Es ist gut, dass wir insbesondere nach der Zeit des Lockdowns und großer Einschränkungen jetzt umso mehr für dieses Thema sensibilisieren und eine Plattform für einen direkten Austausch bieten konnten. Denn gleich ob Turnen, Toben, Ballspielen oder Wassergewöhnung: es gilt für alle Kinder vor Ort, in Vereinen oder Kindertagesstätten, Angebote nachhaltig zu etablieren und qualitativ zu entwickeln.“

Pressemitteilung: Kreissportbund Minden-Lübbecke, 05.10.2020, Fotos Kreissportbund / Anja Schubert

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